Ausstellung

    Maja Bajevic
    06/24/02

    Neue Video-Arbeiten
    Maja Bajevic (*1967 in Sarajevo, Bosnien und Herzegovina) setzt das Medium Video ein, um die Politik der Sichtbarkeit auszuloten: Wie lässt sich ein durch Krieg entfremdetes Zuhause beschreiben? Wie verändert sich unsere Wahrnehmung von "weiblicher Arbeit", wenn diese in der Oeffentlichkeit stattfindet?

    Die Themen der Künstlerin treffen einen Nerv der von den kriegerischen Ereignissen in Osteuropa betroffenen Oeffentlichkeit. Entsprechend werden diese Themen aber auch immer wieder verdrängt und aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt. Dieser Flüchtigkeit entspricht Bajevics Gebrauch des Mediums Video: Sie inszeniert Performances für die Kamera, bearbeitet das Material zu Videobändern, und lässt diese im kulturellen Kontext zirkulieren: Video ist nicht Selbstzweck, sondern Distributionsmedium für eine Narration, eine inhaltliche Botschaft. Das Medium erlaubt den Bildern und den Erzählungen zu reisen und sich dort mitzuteilen, wo sie Augen öffnen können.

    [plug in]'s Auftrag ist unter anderem das Präsentieren digitaler wie analoger elektronischer Medienkunst. Künstlerische Inhalte und Diskurse, wie sie Bajevic führt, sind für uns gerade deshalb so bedeutsam, weil sie die spezifischen Qualitäten ihres Mediums nutzen. Die Werkpräsentation beinhaltet Bajevics bekannte Video-Trilogie "Women at Work" sowie "Green Green Grass of Home", eine neue Arbeit, die dieses Jahr während ihres Stipendien-Aufenthaltes in der Schweiz am Collegium Helveticum entstanden ist.

    "Women at Work" besteht aus drei Einkanal-Bändern, "Under Construction" 1999, "The Observers" 2000 und "Washing U 2001. Die Videos zeigen eine Gruppe bosnischer Frauen, welche ihre Arbeit in öffentlichen Umgebungen verrichtet: Sie sticken nachts traditionelle Muster auf die Abdeckung eines Baugerüstes, auf dem die Männer tagsüber arbeiten. Sie nähen in einem französischen Schlosspark und werden nach der Art barocker niederländischer Gruppenbildnisse porträtiert – mit dem "kleinen" Unterschied, dass die Frauen den Tschador tragen. In "Washing Up" schliesslich waschen die Frauen in einem türkischen Bad in Istambul (anlässlich der letzten Biennale) mit Kriegs-Texten bestickte Tücher. Sie waschen sie in verschmutzem Wasser wieder und wieder, bis sie durchgescheuert sind und zerfallen.

    "Green Green Grass of Home" zeigt eine weitläufige und saftig grüne Wiese. Als kleine Figur, verloren in der Weite des Feldes, schreitet die Künstlerin die Wiese ab und beschreibt dabei den Grundriss der Wohnung, in welcher sie in Sarajevo lebte. Nach dem Krieg konnte die Künstlerin nicht mehr in die Wohnung zurückkehren, fand sich statt dessen mit ihren Erinnerungen an die Heimat in einer fremden Umgebung.

    Die Ausstellung Maja Bajevic wurde ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr.