Ausstellung

Install.exe/Jodi
09/18/02 bis 11/09/02

die erste Einzelausstellung der Netzkunstpioniere im physischen Raum
Die Netzkunstpioniere Jodi zeigten in ihrer ersten Einzelausstellung "install.exe/Jodi" nicht nur einen Überblick über ihre bisherigen Internet- und Software-Arbeiten, sondern präsentieren mit ©1984 auch eine neue Werkgruppe, die alten Computerspielen neues Leben einhaucht.

Jodi simulieren Fehlermeldungen, Viren und Computerabstürze. Lassen unaufhörliche Ströme von knallbunten Hieroglyphen den Bildschirm überfluten. Beleben tote Programmsprachen wieder. In Jodis Arbeit geht es um das, was hinter der vertrauten Oberfläche des Browsers liegt, um den Code. Und es geht um die Dialektik von Mensch und Technologie, von kontrollieren und Kontrolliert-Werden: Jodi macht diese Dinge erfahrbar, lässt uns in irritierenden Systemen navigieren und uns dort auch unsere eigene Blindheit erkennen. Jodi findet eine prägnante visuelle Sprache für diese Lebensrealität. Eine Sprache, die sich nicht nur Computer-Nerds mitteilt, sondern jedem, der schon mal an einem Rechner gesessen hat.

1995 gehörten Jodi (Joan Heemskerk und Dirk Paesmans, Barcelona) zu den ersten, welche den Browser als Mittel künstlerischer Gestaltung einsetzten. Ihnen gelang es, eine präzise künstlerische Sprache mit digitalen Mitteln zu entwickeln und damit eine substantielle Aussage zu formulieren. Niemand hatte ihnen das vorgemacht. Sie haben mit ihrer Arbeit Massstäbe gesetzt und die Referenz geliefert, an der wohl niemand mehr vorbeikommt, der sich mit Netzkunst befasst.

Mit install.exe sabotieren Jodi nun die vermeintliche Gewissheit, das ihre Kunst nur auf dem Internet stattfinden kann: Sie präsentieren in [plug.in] eine Ausstellung im physischen Raum und eine Printpublikation. Für orthodoxe Auffassungen von Netzkunst ist das ein Tabubruch, für Jodi ist es die konsequente Fortsetzung ihrer Störungs-Taktik.

Install.exe ist die erste umfassende Einzelausstellung und Printpublikation von Jodi. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von [plug.in] mit Netzwerker Tilman Baumgärtel aus Berlin. Baumgärtel schreibt als freier Autor über Medien- und Internet-Kultur und hat mit seinen zwei Publikationen net.art – Materialien zur Netzkunst, Nürnberg 1999 und net.art.2.0 – neue Materialien zur Netzkunst, Nürnberg 2001, Masstäbe in der Vermittlung von Netzkunst gesetzt.

Die Publikation wird gestaltet vom jungen Schweizer Designer Rafael Koch in Zusammenarbeit mit Jodi. Beim ersten Durchblättern erscheint das Buch als reines Bilderbuch. Erst unter den aufklappbaren Bildseiten finden sich die Texte: Beiträge von Annette Schindler und Waling Boers, Tilman Baumgärtel, Frederic Madre, Pit Schulz, Florian Cramer und Josephine Bosma. Die Publikation wird herausgegeben von [plug.in], Tilman Baumgärtel und BüroFriedrich und erscheint im Christoph Merian Verlag, Basel.

[plug.in] / Tilman Baumgärtel / BüroFriedrich (Hg.), "install.exe/Jodi", 112 Seiten, farbig illustriert, gebunden, Christoph Merian Verlag. SFR 38.-- / Euro 26.-- ISBN 3-85616-184-8