Ausstellung

Beat Brogle - generiert.
03/08/09 bis 03/22/09

Seit neun Jahren beschäftigt sich Beat Brogle mit der Frage, wie das kollektive Bildgedächtnis des Internets wahrnehmbar gemacht werden kann. Furore gemacht hat sein „Onewordmovie“, eine interaktive Online-Arbeit, die zu Suchbegriffen des Users Videos generiert. Entstanden sind aber auch filmische Arbeiten und Bilder, die sich auf unterschiedliche Weise dieses Online-Bildpools bedienen. Die Kurz-Ausstellung verschafft einen Überblick über die Werke, die seit 2003 aus der Beschäftigung mit dem Thema entstanden sind.
 
Nach wie vor können Computerprogramme Bilder nur sehr beschränkt ‚erkennen’ bzw analysieren – ganz im Gegensatz zum Text, der ja sehr weitgehend mit Software ausgewertet werden kann. Was auf einem Bild dargestellt ist, ob es sich um eine Fotogtafie oder um eine zeichnerische oder malerische Umsetzung handelt, ist für das Auge sofort erkennbar: eine Leistung, die heute noch keine Software in der Art vollbringen kann. Eine Bildersuche auf dem Computer läuft deshalb über die ‚Bildlegenden’ mit der jedes Bild versehen sein muss, damit es überhaupt identifizier-bar ist. Die Bildersuche ist deshalb immer so gut, wie die Bild-beschriftungen es sind, oder anders gesagt: so überraschend wie diese.
Beat Brogle nutzt diesen Umstand in seinen Arbeiten produktiv. Die kleinen sprachlichen Missverständnisse, die semantischen Doppeldeutigkeiten, sie erzeugen in Brogles System visuelle Resultate: Das Wort „Venus“ etwa bezeichnet unter anderem einen Planteten und eine griechische Göttin, beides verschmilzt in einem von Brogles „Subreals“ bildlich zu einer Einheit (siehe Abbildung). In neuen filmischen Arbeiten werden weitere Ebenen des Arrangierens der Bilder, ihrer Abfolge und ihres Rhythmus, des Überblendens, Vertonens etc. erforscht.

Brogles Rolle als Künstler gleicht in diesem Prozess mehr und mehr einem Steuern von Input und Output. Er setzt Systeme gezielt ein, um ihnen visuelles Material zu entlocken. Die Software generiert nach den Vorgaben des Künstlers selbständig Bilder. Der Künstler nimmt anschliessend eine Selektion vor, gewissermassen mit dem Gestus der künstlerischen Legitimation des Maschinenerzeugten. Parallel dazu stellt er aber das unselektierte Rohmaterial auch umfassend zur Verfügung, in Form eines grossen Subreal-Archives mit Schachteln von Bildern zum Durchblättern, einem telefonbuch-dicken Verzeichnis sämtlicher abgefragter Begriffe von „Onewordmovie“ und einer Terabyte-Festplatte mit den zugehörigen Bildern.
Zu Brogles künstlerischer Auseinandersetzung gehört also das technologisch generierte Bild ebenso wie jenes, das diesem Prozess wieder entzogen wird, also, in Brogles Worten „de-generiert“ wird.

Am 19. März wird Beat Brogle im Gespräch mit der Kunstwissenschaftlerin Sibylle Omlin Fragen zum generierten und de-generierten Bild diskutieren.

Programmierung: Martin Dahlhauser und Stephan Görgens
Dank an Felix Stalder
Die Produktion der Arbeiten wurde ermöglicht durch: Bundesamt für Kultur/Sitemapping und Aargauer Kuratotorium